5 months in isolation – Norway-Life-Update

5 months in isolation – Norway-Life-Update [DE]

Es scheint mir, als ob ich mich nicht wirklich auf das Norwegen- Abenteuer vorbereitet habe. Weder mental, noch physisch. Es wird kalt und dunkel. Dementsprechend habe ich meine Tasche mit allen warmen Sachen vollgepackt, Vitamin D Tabletten in Hülle und Fülle oben draufgelegt, meinen Kopf auf null Sonne eingestellt…und los gings. Dass ich am Ende der Welt sein werde, war mir wohl bewusst, realisiert hatte ich es dann aber doch erst nach ein paar Wochen. Dass die Arbeit eine komplette Veränderung sein würde, war auch keine Überraschung. Eingelebt, wohlgefühlt. Die Finsternis überstanden und zur Ruhe gefunden. Doch was anfänglich Balsam für die Seele war – Auszeit von meinem stressigen Alltag vor Norwegen, Natur pur und die Möglichkeit, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, hat sich zu einem Gefühl der Enge und Einsamkeit transformiert. Warum auch immer, ich habe vor meiner Reise nicht einen Gedanken daran verwendet, dass wir irgendwann 24 Stunden Tageslicht und ab und an auch intensiven Sonnenschein haben werden. Die Sonnenbrille habe ich mir schicken lassen können- aber ein Mittel gegen Einsamkeit gibt es leider nicht in Tablettenform und passen daher nicht in ein Expresspaket von Österreich nach Norwegen. Der Vorteil dieses Gefühls? Der exzessive Drang mich zu bewegen und die Energie die sich in mir aufstaut, in Bergtouren zu investieren. Der Nachteil dieses Gefühls? Heimweh bis über beide Ohren, Müdigkeit und das Bedürfnis sich unter der Decke zu verkriechen, am liebsten den ganzen Tag. Eine Achterbahn der Gefühle…und ich finde die Bremse nicht.

Das Gefühl von Isolation, die Zeit, die sich wie eine Ewigkeit anfühlt und Gedanken, die meinen Kopf beinahe zum Explodieren bringen, rauben mir Energie. Hinzu kommt die Umstellung meines Biorhythmus auf längere Tage, kürzere Nächte. Faszinierend zu beobachten wie es immer länger hell bleibt, der Sonnenuntergang erst um 9 Uhr abends und die Finsternis um Mitternacht einsetzt. Und oben drauf erholt sich mein Herz und Hirn von einem Rückschlag, den ich so nicht erwartet habe. Ich weiß, auf viele Dinge hat man keinen Einfluss. Am allerwenigsten auf die Gefühlswelt von anderen. Man kann Menschen nicht ändern, man kann sie nur so akzeptieren wie sie sind. Genauso, wie man Entscheidungen akzeptieren muss, auch wenn es manchmal unglaublich schwer, bis schier unmöglich erscheint. Man redet sich ein, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert – ich hinterfrage zu viel, denke zu viel nach, drehe und wende Worte, versuche den Sinn und die Botschaft zu verstehen und doch stehe ich vor einer verschlossenen Türe. Vor einer Türe, die vor meiner Nase abrupt zugeknallt wurde. Menschen kommen und gehen im Leben. Das habe ich mittlerweile verstanden. Menschen kommen und gehen, hinterlassen ihre Spuren und anstatt daran zu verzweifeln und dem „was war“ nachzutrauern, sollte man lieber versuchen, das Positive in den Geschehnissen zu sehen, daran zu wachsen und für den weiteren Weg mitzunehmen. Ja ich weiß, viele weise Worte, die leere Worte bleiben, wenn man sie nicht im Alltag umsetzt. Das Leben wir zusammengehalten von Entscheidungen. Entscheidungen die wir jeden Tag treffen. Genauso bin ich davon überzeugt, dass jeder Fehler, den wir zweimal machen, eine Entscheidung ist. Und noch mehr bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch einen Zweck der Existenz hat. Warum bin ich hier? Was ist meine Aufgabe im Leben? Vor langer Zeit hat mich das Buch „Big Five of Life“ und „Das Café am Rande der Welt“ auf diesen Weg gebracht, das Leben mit dem Blick auf einen bestimmten Zweck zu betrachten. Was sind die fünf Dinge die dein Leben erfüllen? Was willst du erreichen/ bezwecken und was betrachtest du als Aufgabe deines Lebens? Wenn wir es schaffen, unser täglich Tun daran zu orientieren, danach richten was uns glücklich macht, beruflich wie privat, können wir am Ende unserer Zeit auf ein erfülltes Leben zurückblicken. Ich fand diesen Gedankengang damals so schön, dass ich sofort meine persönlichen Big Five niederschrieb. Ganz oben auf meiner Liste stand und steht bis heute: Ich möchte andere Menschen glücklich machen, denn das Glück anderer erfüllt mich. Und das ist mitunter auch der Grund, warum ich mich in meiner Berufswahl so wohl fühle. Das Bestreben und das Bedürfnis, das Glück anderer zu steigern wurde mir aber auch schon zum Verhängnis. Immer jedem helfen wollen, immer für jeden da sein. Wenn der Versuch dann scheitert und man sich wie ausgenutzt vorkommt, ist das Aufstehen und Krone richten leichter gesagt als getan.

Auch wenn mir die Decke auf den Kopf fällt und sich die Tage häufen, an denen ich diese wunderbare Landschaft verfluche, ich habe so unglaublich viel Zeit über genau diese eine Frage: Warum bin ich hier?, nachzudenken. Herzschmerz hin oder her, eigentlich muss ich dankbar dafür sein. Es hat sich zwar eine Türe verschlossen, doch so viele neue dafür aufgetan. Und auch wenn ich mich in einer mir unverständlichen Situation wiedergefunden habe, es hat mir eines gezeigt: Das bin nun mal ich, ich ziehe Menschen mit Problemen magisch an und wenn sie mir dann auch noch extrem ans Herz wachsen ist die Gefahr, verletzt zu werden nun mal größer. Doch anstatt traurig über verflossene Liebschaften und gescheiterte Freundschaften zu sein, versuche ich das Positive in den Dingen zu sehen. Hoffen, dass ich doch in irgendeiner Art und Weise einen guten Einfluss geben konnte. Auch wenn ich nur eine Stütze in schweren Zeiten war. Wenn es das ist was bleibt, habe ich doch etwas erreicht. Mit diesen Gedanken blicke ich nach vorne, kümmere mich jetzt erst einmal wieder um mich und finde in meinen täglichen Kaffee und Yogapausen zu mir und tanke Kraft. Vorbei ist die Zeit des Selbstzweifels. Vergeben, aber nicht vergessen und den Blick auf die Sonnenseiten des Lebens richten.

Mir bleiben noch zwei Monate in Norwegen. Zwei Monate Kaffee mit Fjordblick. Nichts währt für immer. Das Leben ist ein Abenteuer, jedes Abenteuer hat ein Anfang und ein Ende. So hat auch jede Beziehung ein Anfang und ein Ende. Und so weh es auch tut, wenn Menschen dein Leben verlassen. Sie sind aus einem bestimmten Grund in dein Leben getreten. Das Abenteuer Leben hinterlässt seine Spuren – und das ist gut so.

************************************************************************************************************************************************************************************************

[ENG]

It seems I haven’t really prepared myself for my Norway experience. Neither mentally nor physically. It’s getting cold and dark. I packed my bags with all warm clothes, put vitamin D tablets in abundance on top, set my mind to experience zero sun for sun…and off I went. I was well aware that I would be at the end of the world, but I only realized it after a few weeks. That the work would be a complete change was also no surprise. Settled in, got comfortable. Survived the darkness and found peace. But what was initially balm for the soul – time out from my stressful everyday life before Norway, pure nature and the possibility to let my thoughts run free, has transformed into a feeling of tightness and loneliness. For whatever reason, I didn’t think before my trip that we will have 24 hours of daylight at some point and from time to time intense sunshine. My mum sent me my sunglasses – but unfortunately, there is no remedy against loneliness in tablet form and therefore do not fit into an express package from Austria to Norway. The advantage of this feeling? The excessive urge to move and the energy that accumulates investing in mountain tours. The downside of that feeling? Homesickness, tiredness and the need to hide under the blanket, preferably all-day long. A roller coaster of emotions…and I can’t find the brake.

The feeling of isolation, time feels like an eternity and thoughts that almost make my head explode, take a lot of energy. The change of my biorhythm to longer days, shorter nights. Fascinating to watch how it stays bright longer and longer, the sunset at 9 o’clock in the evening and the darkness at midnight. And on top, my heart and brain are recovering from a setback I didn’t expect. I know there’s a lot of things you can’t influence. Least of all the emotions from someone else. You can’t change people, you can only accept them as they are. You can only love them the way they are. You have to accept decisions, even if it sometimes seems incredibly difficult, until almost impossible. I keep telling myself that everything happens for a certain reason – I question too much, think too much, twist and turn words, try to understand the meaning and the message and yet I stand before a closed door. In front of a door that was abruptly slammed in front of me. People come and go in life. I’ve understood that by now. People come and go, leave their marks, and instead of despairing and mourning “what was”, I should rather try to see the positive in the events, grow on them and take them with me on my further path. Yes, I know, many wise words that remain empty words if they are not implemented in my everyday routine. Life is held together by choices. Choices we make every day. Likewise, I am convinced that every mistake we make twice is a decision. And more than that, I am convinced that every human being has a purpose of existence. Why am I here? What is my objective in life? A long time ago, the book “Big Five of Life” and “Das Café am Rande der Welt” set me on this path to look at life with a specific purpose in mind. What are the five things that fill your life? What do you want to achieve and what do you see as the tasks of your life? If we manage to orientate our daily actions to this, doing of what makes us happy, both professionally and privately, we can look back on a fulfilled life at the end of our time. I liked this way of thinking so much that I immediately wrote down my personal Big Five. At the top of my list was and still is: I want to make other people happy, because the happiness of others fills me. And that is why I feel so comfortable in my choice of career. But the desire and the need to increase the happiness of others has already become my downfall. Always wanting to help everyone, always being there for everyone. The attempt did not only fail once. Afterwards the feeling of being used sets it… it is easier said than done to get up and straighten the crown again.

Even though the feeling of isolation comes over me, I start hating this wonderful landscape from time to time, I have so much time to think about exactly this one question: Why am I here? Heartache or not, I should be grateful. One door has closed, but so many new ones have opened. And even though I found myself in a situation I could not understand, it showed me one thing: That’s me, I attract broken people magically and if I let them closer to my heart, the danger of getting hurt is big. But instead of being sad about past love affairs and failed friendships, I’ll try to see the positive in things. Hope that I could give a good influence in some way. Even though I’ve only been a support in difficult times. If that’s what it is, I’ve achieved something. With these thoughts I look forward, take care of myself again and find strength in my daily coffee and yoga breaks. Gone are the days of self-doubt. Forgive but don’t forget and look at the sunny side of life.

I have two months left in Norway. Two months enjoying my coffee with fjord view. Nothing lasts forever. Life is an adventure and every adventure has a beginning and an end. So, every relationship has a beginning and an end. And as much as it hurts when people leave your life. They crossed your path for a reason. The adventure of life leaves its mark – and that’s a good thing.

 

 

 

 

Follow:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *