Thoughts about pilgrimage – my quality time at the Johannesweg

Thoughts about pilgrimage – my quality time at the Johannesweg [DE]

Ich weiß nicht, ob ich meine to-do Listen Fluch oder Segen nennen soll. Ich schreibe sie zu fast allem. Manche Listen existieren aber auch nur in meinem Kopf. Es gibt Punkte, die existieren schon sehr lange auf meiner imaginären Liste. Diese Liste erweitert sich stätig: mit den Jahren und mit jeder weiteren Reise kommen neue Punkte hinzu. Die Idee pilgern zu gehen kam mir dann in den Sinn, als ich mitten in dem Masterarbeitsprozess steckte, wusste, wann ich diese abgeben werde und auf der Suche nach Abwechslung war. Ich wusste Anfang des Jahres, dass wenn es wirklich passieren würde, dass ich dieses Ding abgeben werde, dass ich dann etwas komplett „out of my comfort szone“ machen musste. Pilgern kam mir da sehr passend vor. Ob alleine oder zu zweit, in Österreich oder nicht. Es war mir eigentlich ziemlich egal. Hauptsache weg, weg von der Zivilisation und meinem Laptop. Ruhe finden in körperlicher Anstrengung. Das war das Ziel. Es wurde erst zu einem gemeinsamen Projekt zu pilgern, als ich meiner Mama davon erzählt habe. Sie wusste schon länger vom Johannesweg im Mühlviertel (quasi direkt vor unserer Haustüre). Schnell war klar, sobald ich meine Thesis abgegeben habe, werden wir die 90 Kilometer zu Fuß meistern. Drei ganze Tage sollte die Reise dauern und erst nachdem ich wieder im Zug nach Innsbruck saß realisierte ich, dass ich diese Anstrengung nicht nur für mich selbst auf mich genommen hatte. Ein halbes Jahr später reflektiere ich nun die Zeit mit meiner Mama am Johannesweg. Ein Pilgerweg (oder Weitwanderweg, wie auch immer man es für sich selbst definieren und nennen möchte), hat auf jeden eine andere Wirkung. Jeder, der sich auf den Weg macht und die allernötigsten Dinge auf seinen Rücken schnallt trifft eine Entscheidung. Für sich selbst.

Man muss nicht unbedingt hunderte Kilometer marschieren um die ersehnte Ruhe zu finden:

Ich habe mir immer gedacht, dass ich mindestens 100+ Kilometer gehen muss um abschalten zu können. Gut, die ersten 30 Kilometer waren für meinen Kopf ein ziemlicher Kampf. Ich konnte einfach nicht aufhören an meine Thesis zu denken. Ein dauerndes „Was ist wenn“ Spiel spukte durch meinen Kopf. Am Ende des ersten Tages und mit den ersten erreichten 30 Kilometern, schmerzenden Füßen, Hunger und Sehnsucht nach einem kalten Apfelsaft, verlogen diese Gedanken. Die darauffolgenden zwei Tage konnte ich mich wirklich nur auf das Gehen konzentrieren. Mehr blieb mir auch nicht übrig. Hier waren wir nun. Inmitten im tiefsten Mühlviertel, umgeben von purer Natur. Ein andauerndes bergauf und bergab. Mein Kopf war leer. Auf einmal war er leer und ich konnte mich gute 60 Kilometer nur auf mich, meine Umgebung und das Gehen konzentrieren. Es hat etwas Meditatives, dieses Gehen. Und am Ende konnte ich wirklich behaupten, dass ich die Ruhe die ich mir so sehr wünschte, gefunden hatte. Ich hatte wieder Kraft mich auf die Uni und meinen Studienabschluss zu konzentrieren, obwohl ich mir eingestehen muss, dass die Tage nach dem Pilgern die wohl anstrengendsten waren. Ich war ausgetreten aus der Welt des: Du musst. Ich war im einem Modus, der mir bis dahin unbekannt war. So entspannt und ohne Antrieb zum Lernen war ich noch nie. Ja, die ersehnte Ruhe hatte ich auf jeden Fall gefunden.

„Happiness is only real when shared“ – Zeit zu zweit ist einfach unvergleichlich:

Ja ich hätte auch alleine gehen können. Ich hätte mich alleine auf den Weg machen können und wäre womöglich zu dem gleichen Fazit gekommen: Ich bin diesen Weg nicht nur für mich alleine gegangen. Die Tatsache, dass ich diese gut 90 Kilometer aber mit meiner Mama teilen durfte, machen dieses Erlebnis zu etwas ganz Besonderes. Für uns beide war es eine Zeit, die wir bestimmt nie vergessen werden. Auch wenn sich nicht nur die Kilometer, sondern auch unsere Gespräche aufgrund der Anstrengung reduziert hatten, meine Mama war da. An meiner Seite. Drei Tage lang. Jeden Gipfel, jede neue Station, jedes Panorama teilten wir. In diesen drei Tagen wurde mir wieder einmal bewusst, wie wichtig es ist, Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich verbringe so viel Zeit im Ausland, mein Studium hatte mich die letzten sechs Jahre eingenommen. Zeit zu Hause war sehr minimal. Dieses gemeinsame Projekt Johannesweg war für uns beide Balsam für die Seele, als Mutter und Tochter, als Freundinnen, als Familie und als Weggefährten.

Nur du alleine bist verantwortlich für dein Leben. Niemand sonst:

Es gab Momente auf dem Weg, da hätte ich mich am liebsten an den Straßenrand gesetzt, meinen Opa angerufen und ihn gebeten uns abzuholen. Wer hat eigentlich behauptet, dass das Mühlviertel flach ist? Bergauf, bergab. Unzählige Male dachte ich mir: jetzt sind wir dann da, es kann nicht mehr weit sein bis zum nächsten Rastpunkt. Und dann folgte wieder ein Hügel und oben am Hügel angekommen ging es wieder bergab und dann wieder bergauf. Gerade zum Ende hin lagen die Nerven dann schon blank. Es war einfach viel zu heiß. Es war viel zu hügelig. Und dann der Gedanke: wer hat mich eigentlich auf diese Idee gebracht. Mama, du bist schuld! Tja, wenn es doch so einfach gewesen wäre einfach meiner Mama die Schuld für die Strapazen zu geben. Dieser Weg quer und rund im/ums Mühlviertel war das Paradebeispiel für das Spiel „Leben“. Nur du alleine fällst Entscheidungen für dich und deinen Weg. Ich habe mich dazu entschieden diesen Weg zu gehen und ich musste mich da selbst wieder rausbringen. Ich musste diesen Weg selbst zu Ende gehen. Natürlich wäre es eine Option gewesen, ein Taxi zu rufen oder einfach in den nächsten Bus zu steigen. Aber es hätte mich nur kurzzeitig glücklich gemacht. Auf lange Sicht gesehen wäre ich unzufrieden mit mir selbst gewesen. Die Erinnerung hätte immer den Beigeschmack von Aufgeben gehabt. Es wird immer wieder Situationen im Leben geben wo man am liebsten einfach aufgeben würde. Das Handtuch werfen. Umkehren. Aber auf lange Sicht wird einen das nicht glücklich machen. Man lernt mit der Zeit, dass man für sein eigenes Leben Verantwortung tragen muss und dass man nicht einfach mal seine Eltern für das Geschehen verantwortlich machen kann. Das wäre natürlich richtig einfach. Wenn man sich ein Ziel setzt und sich dieses Ziel vor Augen hält, muss man, wohl oder übel, mit den Aufgaben und Hürden umgehen lernen. Lernen, auf seine eigene Art und Weise damit umzugehen. Wie heißt es so schön: Das Leben ist 20% was passiert und 80% wie man damit umgeht.

Sei zufrieden mit dir selbst und lasse deine Erfolge von niemanden klein machen:

Klar, es wird immer jemanden geben, der etwas besser kann (oder besser weiß) als du. Wichtig ist, dass du nie aufhörst an dir zu arbeiten, über dich hinaus zu wachsen und dir Ziele zu setzen. Und noch wichtiger: wenn du am Ziel angekommen bist, freu dich! Freu dich über deinen Erfolg und lass dir diesen Erfolg, sei er noch so klein, von jemanden schlecht reden. Natürlich, es ist wichtig sich auch an anderen zu messen, wenn man in einer Sache immer besser oder vielleicht sogar der Beste werden möchte. Wichtig ist nur, dass man für sich selbst weiß, warum man Zeit und Energie in etwas steckt. Machst du es nur für dich, oder um anderen etwas zu beweisen? Du alleine musst mit deiner Entscheidung glücklich sein. Und warum kommt mir gerade beim Thema Pilgern in den Sinn, über persönliche Erfolge zu schreiben? Eine mehrtätige Wanderung hat es schon in sich. Für mich persönlich war es eine körperliche Belastung, die mich sehr glücklich gemacht hat. Ich wusste, dass ich es in drei Etappen schaffen kann. Ca. 30 Kilometer pro Tag sind machbar, wenn man aber wie ich einfach keine Zeit für körperliche Aktivitäten davor hatte, kann es schon sehr anstrengend werden. Dennoch, mein Ziel war gesetzt und ich wusste, dass ich richtig stolz auf mich sein werde, wenn ich es geschafft habe. Ich wollte es mir selbst beweisen. Ich erinnere mich an eine Situation auf ca. 50 Kilometer. Meine Mama und ich kamen völlig erschöpft bei einer Wasserstelle an, legten uns auf die Holzbänke um Rast zu machen. Dann kam ein ziemlich überfitter Radfahr-Angeber und meinte, er ginge die 90 Kilometer an einem Tag. Alles easy…um Mitternacht losgehen und um Mitternacht wieder zurückkommen. Wow, dacht ich mir. Du A****! Und ich esse drei Tafeln Schokolade an einem Tag. Ist auch eine Leistung. Nur weil er die Strecke in einem Tag schafft (und ganz unvoreingenommen: die Strecke sicher nicht so genießen kann wie wir…bei dem Speed), heißt es nicht, dass unsere Leistung minder ist. Für uns waren die 30 km an einem Tag ein riesen Ding. Wir haben es geschafft und ich bin richtig stolz.

Du gehst diesen Weg für dich alleine. Vergiss aber nicht diejenigen, die dich auf diesem Weg begleiten.

Kurz vor unserem Start etwas sehr Trauriges passiert. Wir mussten uns von unserem Freund verabschieden. Die Beisetzung fand einen Tag vor unserem Abmarsch statt. Und so besuchte ich eine Beerdigung, die mich sehr viele Tränen gekostet hat. Ich wusste von dem Moment an, dass ich die darauffolgenden Tage zwar für mich selbst gehen werde, ich aber in Begleitung von unserem verstorbenen Freund war. Auch wenn man alleine geht und viel Kraft in seine Bewegung setzen muss, sollte man nicht vergessen, dass man eigentlich nicht alleine geht. Heikles Thema, ich weiß. Dennoch denke ich (obgleich man nun religiös ist oder nicht, an überlebende Seelen glaubt oder nicht), dass Erinnerungen einem sehr viel Kraft geben. Die Erinnerungen an unseren verstorbenen Freund haben mir Kraft gegeben. Am Ende der Reise hatte ich das Gefühl, dass ich zwar für mich alleine gegangen bin, ich aber immer in Begleitung war.

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[ENG]

I don’t know if I should call my “to-do lists” curse or blessing. I write them to almost everything. But some lists exist only in my head. There are points that have been on my imaginary list for a long time. This list is constantly expanding: with the years and with each further journey new points are added. The idea of going on a pilgrimage came to my mind when I was in the middle of the Master’s thesis process, knew when I was going to hand it in and was looking for a change. I knew at the beginning of the year that if it really happened (handing in this “thing”), I had to do something completely “out of my comfort zone”. A pilgrimage seemed very fitting. Whether alone or in pairs, in Austria or not. I didn’t really care. The main thing is to get away from civilization and my laptop. Finding rest in physical exertion. That was the goal. It was only when I told my mum about it that it became a common project to go on pilgrimage. She already knew for a long time about Johannesweg in the Mühlviertel. Soon it was clear that as soon as I handed in my thesis, we will master the 90 kilometers on foot. The journey lasted three whole days and only after I was back on the train to Innsbruck I realized that I had made this effort not only for myself. Half a year later I reflect now the time with my mum. A pilgrimage route (or long distance path, however one would like to define and call it for oneself) has a different effect on everyone. Anyone who sets off on their way and buckles the most necessary things on their back makes a decision. For himself.

You don’t necessarily have to walk hundreds of kilometers to find the desired peace:

I always thought that I had to walk at least 100+ kilometers to be able to find peace. Well, the first 30 kilometers were quite a challenge for my head. I just couldn’t stop thinking about my thesis. A constant “What if” game haunted through my head. At the end of the first day and with the first 30 kilometers reached, painful feet, hunger and longing for a cold apple juice, these thoughts stopped. The following two days I really could only concentrate on walking. That’s all I had left. Here we were now. In the middle of the deepest Mühlviertel, surrounded by pure nature. A constant uphill and downhill. My head was empty. Suddenly it was empty and I could concentrate on me, my surroundings and walking for about 60 kilometers. There’s something meditative about this walking. And in the end, I could really say that I had found the peace and quiet I was looking for. I again had the strength to concentrate on the university and my degree, although I have to admit that the days after the pilgrimage were probably the most strenuous. I had left the world of: you have to. I was in a mode unknown to me until then. I’ve never been so relaxed and eager to learn. Yes, the longed-for rest I had found in any case.

Happiness is only real when shared – time together is simply incomparable:

Yes, I could have gone alone. I could have set off on my own and might have come to the same conclusion: I did not follow this path just for myself. The fact that I was allowed to share these 90 kilometers with my mom makes this experience a very special one. For both of us, it was a time we will never forget. Even though not only the kilometers but also our conversations had been reduced due to the effort, my mum was there. By my side. For three days. Every peak, every new station, every panorama we shared. During these three days I was once again aware of the importance of spending time with my family. I spend so much time abroad, my studies have taken me for the last six years. Time at home was very minimal. This joint project Johannesweg was necessary for our souls, as mother and daughter, as friends, as family and as companions.

Only you alone are responsible for your life. No one else:

There were moments on the way, I was close to sat down at the roadside, close to calling my grandfather to ask him to pick us up. Who actually claimed that the Mühlviertel is flat? Uphill, downhill. Countless times I thought to myself: now we’re here, it can’t be far to the next rest stop. And then another hill followed and at the top of the hill it went downhill again and then uphill again. It was just way too hot. It was too hilly. And then the thought: who really got me to this idea? Mama, it’s your fault! Well, if it would have been so easy to blame my mom for the strains. This path across and around the Mühlviertel was the prime example of the game “life”. Only you alone can make decisions for yourself and your path. I decided to go down that road and I had to get myself out of it. I had to finish this road myself. Of course, it would have been an option to call a taxi or simply get on the next bus. But it would have made me happy for a short time. In the long run, I would have been dissatisfied with myself. The memory would have always had the aftertaste of abandonment. There will always be situations in life where you would like to give up. But in the long run, it won’t make you happy. You learn over time that you have to take responsibility for your own life and that you can’t just hold your parents responsible for what is happening. Of course, that would be really easy. If you set yourself a goal and keep that goal in mind, you have to learn to deal with the tasks and hurdles, well or badly. Learning to deal with it in its own way. As they say: Life is 20% what happens and 80% how to deal with it.

Be content with yourself and don’t let anyone make your successes small:

Sure, there will always be someone who knows (or knows) something better than you. The important thing is that you never stop working on yourself, growing beyond yourself and setting goals. More importantly, when you reach your goal, be happy! Rejoice in your success and let this success, no matter how small, speak badly of someone else. Of course, it is important to measure yourself against others if you want to become better and better in one thing or maybe even the best. The important thing is that you know for yourself why you put time and energy into something. Do you do it just for yourself or to prove something to others? Be happy with your decision. And why does it come to my mind to write about personal successes, especially when it comes to pilgrims? A hike of several days is quite a challenge. For me personally, it was a physical strain that made me very happy. I knew I could do it in three stages. Approx. 30 kilometers per day are possible, but if you just didn’t have time for physical activities like I did before, it can be very strenuous. Nevertheless, my goal was set and I knew that I would be really proud of myself when I made it. I wanted to prove it to myself. I remember a situation for about 50 kilometers. My mum and I arrived exhausted at a resting station, put us on the wooden benches to rest. Then came a rather over-stressed cycling champion and said he would walk the 90 kilometers in one day. All easy… leave at midnight and come back at midnight. Wow, I thought so. You A*****! And I eat three bars of chocolate in one day. It’s also an achievement. Just because he manages the course in one day (and unbiasedly: surely he can’t enjoy the course as much as we can… at the speed) doesn’t mean that our performance is any less. For us, the 30 km in one day was a huge thing. We did it and I’m really proud.

You go that way for yourself. But don’t forget those who accompany you on this journey:

Something very sad happens just before our start. We had to say goodbye to our friend. The funeral took place one day before our departure. And so I went to a funeral that cost me a lot of tears. I knew from that moment on that I would leave the following days for myself, but I was accompanied by our late friend. Even if you go alone and have to put a lot of energy into your movement, you should not forget that you don’t go alone. It’s a delicate subject, I know. Nevertheless, I think (although you are religious or not, believe in surviving souls or not) that memories give you a lot of strength. The memories of our late friend have given me strength. At the end of the trip, I felt like I had been alone for myself, but I was always with someone.

 

 

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